Start in das Sommersemster 2018

Heute starte ich mit meinen Lehrveranstaltungen in das Sommersemester 2018. An der TU Darmstadt biete ich in diesem Semester eine Vorlesung und eine Übung an, die sowohl die Neuere Geschichte als auch die Technikgeschichte abdecken.

Vorlesung: “Nach dem Boom”. Die 1970er Jahre in der Zeitgeschichte
Die 1970er Jahre haben die Zeithistoriker Lutz Raphael und Anselm Doering-Manteuffel als Jahrzehnt „nach dem Boom“ bezeichnet. Im Gegensatz zu den 1960er Jahren, die durch das „Wirtschaftswunder“ und einen verbreiteten Zukunftsoptimismus geprägt waren, gelten die 1970er Jahre als Dekade der wirtschaftlichen Stagnation und des wachsenden Krisenbewusstseins. Die Ölpreiskrise, die sogenannte „Stagflation“ und eine wachsende Arbeitslosigkeit stehen für diese Interpretation, die zusammen mit der Bedrohung durch den Kalten Krieg und den Terrorismus im „Deutschen Herbst“ ein eher düsteres Bild der 1970er Jahre verfestigt. Dennoch waren die 1970er Jahre auch eine Dekade des Aufbruchs und in vielerlei Hinsicht die „Vorgeschichte der Gegenwart“. In der intellektuellen Debatte und in der Kultur setzte sich das Paradigma der „Postmoderne“ durch, die zahlreichen Protestbewegungen trugen zu einer Ausweitung politischer Partizipation bei und mit der Computerisierung setzte ein Trend ein, der die Wirtschafts- und Arbeitswelt nachhaltig verändert hat. In dieser Vorlesung werden die 1970er Jahre deshalb als Übergangsjahrzehnt porträtiert, in dem sich am Ende des Nachkriegsbooms neue gesellschaftliche, politische, ökonomische und kulturelle Muster herausbildeten.
Diese Vorlesung wird einen Überblick über die wichtigsten Forschungsfelder und Themenbereiche der historischen Auseinandersetzung mit den 1970er Jahren geben. Ein erster Schwerpunkt wird auf der Wirtschafts- und Sozialgeschichte liegen, ein zweiter auf der Politik und politischen Kultur einschließlich der Protestbewegungen und des links-alternativen Milieus. Schließlich wird die Kultur der 1970er Jahre, von intellektuellen Debatten bis zum Aufstieg der Populärkultur, behandelt.

Übung: Praxistheorie und Technikgeschichte
Fernsehen, Duschen und Autofahren sind alltägliche Routinen, die mit der Praxistheorie in den Blick kommen. Diese Routinen haben nicht nur eine Geschichte, sondern in diesen Geschichten spielen Technologien eine zentrale Rolle: Fernseher und Fernsehsender, Duschen und die Wasserversorgung, Autos und Straßensysteme haben sich in Wechselwirkung mit ihrer alltäglichen Nutzung entwickelt. So haben neue Technologien einen Einfluss auf alltägliche Routinen, aber diese Routinen beeinflussen zugleich, wie sich Technologien verbreiten oder wie sie angeeignet werden. Auf diese Zusammenhänge verweist die Praxistheorie, die seit einem guten Jahrzehnt intensiv debattiert und weiterentwickelt wird.
In dieser Übung werden wir anhand einschlägiger Aufsätze zunächst die Kernelemente und Grundannahmen der Praxistheorie kennenlernen. Im weiteren Verlauf werden wir uns damit befassen, welche Forschungsfragen mithilfe der Praxistheorie angegangen werden können und welches Potenzial die Praxistheorie für die Technikgeschichte hat.

Lehrstuhlvertretung Technikgeschichte im WS17/18

Zum 1.10.2017 habe ich erneut eine Lehrstuhlvertretung übernommen. Nach einem Semester in Jena werde ich jetzt für ein halbes Jahr die Professur für Technikgeschichte an der TU Darmstadt vertreten.

Als Lehrveranstaltungen werde ich anbieten:

Exkursion Großbritannien

Hier einige Eindrücke von der Exkursion, die ich Anfang September 2017 mit Dieter Schott und Studierenden der TU Darmstadt nach Großbritannien unternommen habe. Unter dem Thema “Industrialisierung und Urbanisierung” sind wir zuerst nach Birmingham und anschließend nach Manchester und Liverpool gereist. Besonders eindrucksvoll war die Führung durch die Back-to-Backs in Birmingham, die zum Teil im Originalzustand der 1830er und 1870er Jahre rekonstruiert worden sind, und der Besuch von Quarry Bank Mill, wo viele der Textilmaschinen aus dem 18. und 19. Jahrhundert noch in Betrieb sind. Interessant war auch die Besichtigung der Iron Bridge und der nahegelegenen Museen rund um die Eisenherstellung und natürlich das verzweigte Kanalnetz, das wir an mehreren Stellen gesehen haben.

Iron Bridge

Iron Bridge

Birmingham

Birmingham

Birmingham Canal

Birmingham Canal

Quarry Bank Mill

Quarry Bank Mill

Ü: “The History Manifesto”

Nach gut zwei Jahren Unterbrechung konnte ich in diesem Sommersemester 2017 endlich wieder eine geschichtstheoretische Übung anbieten. Dabei habe ich das umstrittene History Manifesto als Ausgangspunkt genommen, um mit den Studierenden einige aktuelle Fragen der Geschichtstheorie zu diskutieren. Insgesamt ist es eine sehr anregende und spannende Lehrveranstaltung geworden – auch dank der sehr engagierten Studierenden.

Aus dem Ankündigungstext: “Das 2014 erschienene „History Manifesto“ hat eine neue Debatte um Ziele und Ausrichtung historischer Forschung entfacht. Das „Manifesto“, das von Historikerinnen und Historikern fordert, Geschichte in der Langzeitperspektive zu interpretieren, ist dabei durchaus kontrovers diskutiert worden. Daneben mehren sich aber auch andere Stimmen, die wieder nach dem Sinn und den Zielen der Geschichtswissenschaften fragen. Ob in Fachpublikationen oder in der Presse, das Bedürfnis nach einer Positionsbestimmung der Disziplin scheint zu wachsen. Nicht zuletzt die Besorgnis über die politischen Entwicklungen der letzten Jahre, die in den meisten Stellungnahmen deutlich mitschwingt, scheint die erneuerte Positionsbestimmung zu rechtfertigen.
In dieser Übung werden wir Teile des „History Manifesto“ und andere aktuelle Veröffentlichungen zum Stand der Geschichtswissenschaften lesen und gemeinsam diskutieren. Ziel ist nicht nur, das Theorieverständnis zu schärfen, sondern auch über die gesellschaftliche Rolle und die eigenen Ziele als Historikerinnen und Historiker zu reflektieren”

Seminarplan

4.4.2017: Einführung

11.4.2017: Guldi, Jo/Armitage, David: The History Manifesto, Cambridge 2014, S. 1-13.

18.4.2017: Guldi, Jo/Armitage, David: The History Manifesto, Cambridge 2014, S. 14-37.

25.4.2017: Braudel, Fernand: Schriften zur Geschichte, Bd. 1. Gesellschaften und Zeitstrukturen, Stuttgart 1992, S. 49-67.

2.5.2017: Braudel, Fernand: Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II., Bd. 1, Frankfurt am Main 1990, S. 385-398.

16.5.2017: Guldi, Jo/Armitage, David: The History Manifesto, Cambridge 2014, S. 61-87.

23.5.2017: Stefan Jordan: Rezension zu: Guldi, Jo; Armitage, David: The History Manifesto. Cambridge 2014 , in: H-Soz-Kult, 29.04.2016, www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-24896.

30.5.2017: Kevles, Daniel J.: What’s Manifest in the History of SciTech. Reflections on The History Manifesto, in: Isis 107 (2016), S. 315–323.

6.6.2017: Cohen, Deborah/Mandler, Peter: The History Manifesto. A Critique, in: The American Historical Review 120 (2015), S. 530–542.

13.6.2017: Armitage, David/Guldi, Jo: The History Manifesto. A Reply to Deborah Cohen and Peter Mandler, in: The American Historical Review 120 (2015), S. 543–554.

20.6.2017: Trischler, Helmuth: The Anthropocene. A Challenge for the History of Science, Technology, and the Environment, in: NTM Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin 24 (2016), S. 309–335.

28.6.2017: Landwehr, Achim: Die anwesende Abwesenheit der Vergangenheit. Essay zur Geschichtstheorie, 2016, S. 31-45.

4.7.2017: Abschlusssitzung

Lehrstuhlvertretung in Jena

Im Sommersemster 2017 übernehme ich die Vertretung des Lehrstuhls für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Zur Homepage des Lehrstuhls

Gestern war mein erster Arbeitstag und die ersten Lehrveranstaltungen haben bereits begonnen. Noch ist zwar vieles ungewohnt und neu, mein Büro ist noch ziemlich leer, aber die ersten Eindrücke sind sehr positiv und der Kontakt mit Kolleginnen, Kollegen und Studierenden sehr gut.

Insgesamt gebe ich vier Lehrveranstaltungen und bin an einem Oberseminar beteiligt:
VL: Perspektiven auf die Industrialisierung
HS: Holz – Kohle – Öl
Ü/S: Klassiker der Stadtforschung und Stadtplanung
Ü/S: “The History Manifesto” und andere Stimmen zum aktuellen Stand der Geschichtswissenschaften
OS (gemeinsam mit Gisela Mettele): Neuere Forschungen zur Geschlechtergeschichte

Das Sommersemester über bin ich also überwiegend im Historischen Institut der Uni Jena zu finden.

Das Historische Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Das Historische Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena

Lehrforschungsprojekt: “Zeugen der Industrialisierung”

Im kommenden Sommersemster 2016 werde ich ein Lehrforschungsprojekt für MA-Studierende anbieten, in dem wir das 1858 von Hermann Wedding verfasste Tagebuch seiner  “Reise durch Thüringen, Bayern, Saarbrücken, Lothringen, Rhein, Westphalen” edieren werden.

Die 1850er Jahre gelten als das Schlüsseljahrzehnt der Industrialisierung in den deutschen Staaten. Der Eisenbahnbau, der Aufstieg des Maschinenbaus und die Montanindustrie prägten als Leitsektoren die rasante wirtschaftliche und technologische Entwicklung dieses Jahrzehnts. In dieser Zeit bereiste Hermann Wedding, der später Professor für Eisenhüttenkunde wurde, West- und Süddeutschland. Seine Eindrücke und Beobachtungen zu neu entstandenen Fabriken, technologischen Innovationen, aber auch zur Geologie hielt Wedding in einem Reisetagebuch fest. Dieses knapp 100seitige Tagebuch mit Weddings handschriftlichen Einträgen ist erhalten geblieben und befindet sich in der Eisenbibliothek, Schaffhausen.

Ziel des Lehrforschungsprojekt ist es, das Reisetagebuch, das Wedding 1858 führte, zu erschließen, zu transkribieren, den Kontext aufzuarbeiten und den Text schließlich als Edition zugänglich zu machen. Eine Veröffentlichung der Edition in Kooperation mit der Eisenbibliothek, Schaffhausen ist vorgesehen. Interesse an der Arbeit mit handschriftlichen Quellen des 19. Jahrhunderts und die Bereitschaft, sich in das Lesen von Quellen in Kurrentschrift einzuarbeiten, sind Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Lehrforschungsprojekt.

Semestereröffnungsvortrag Winter 2015/16

Am kommenden Dienstag, den 20.10.2015, findet um 18:15 Uhr der Semestereröffnungsvortrag des Instituts für Geschichte der TU Darmstadt und anschließend die Verleihung des Freiherr von Aretin-Preises statt. (Raum S101/A04)

Den Vortrag hält Martin Baumeister (Deutsches Historisches Institut Rom): ”Vom Nabel der Welt zur Global City? Rom auf dem Weg ins 21. Jahrhundert”

Filmquelle: “A Place to Live”, 1948

In der letzten Sitzung meiner Übung “Klassiker der Stadtforschung und Stadtplanung” in diesem Sommersemester haben wir uns mit der Filmquelle “A Place to Live” aus dem Jahre 1948 befasst. Der Film, der für eine planmäßige Stadterneuerung in Philadelphia wirbt, entstand im Kontext der kommunalpolitischen Auseinandersetzungen zwischen dem “Reform-Movement”, zu dem auch die Philadelpia Housing Association als Auftraggeberin dieses Films gehörte, und der republikanischen Stadtregierung, die eine Stadterneuerung als Eingriff in die Eigentumsrechte der Grundbesitzer weitgehend ablehnte. Der Film trägt ganz deutlich eine politische Botschaft: planmäßige Stadterneuerung als gezielte sozialpolitische Maßnahme.

Für die Abschlussdiskussion der Übung war die Filmquelle deshalb sinnvoll, weil in ihr die Kernaussagen mehrerer “klassischer” Texte der Stadtforschung und Stadtplanung aufgegriffen und verdichtet werden. Im Laufe des Semseters haben wir Texte von Friedrich Engels, Ebenezer Howard, Georg Simmel, LeCorbusier, Jane Jacobs und anderen gelesen und diskutiert. Deren Vorstellungen von Stadt und deren Kritik lässt sich auf vielfältige Weise auch in dem Film von 1948 wiederfinden. Tatsächlich haben die Studierenden in der Abschlussdiskussion ziemlich genau herausarbeiten können, wie bestimmte Ideen, die wir in den verschiedenen Texten über das Semester hinweg kennengelernt haben, in dem Film aufgegriffen wurden. Insofern war “A Place to Live” als Filmquelle hervorragend geeignet, nocheinmal die großen Zusammenhänge im Denken über Stadt und Stadtplanung im 19. und 20. Jahrhundert zu bündeln, wichtige Diskussionsstränge herauszustreichen und konkret an einem Beispiel festzumachen.

“A Place to Live” auf archive.org

 

Lehre im Sommersemester 2015

Im kommenden Sommersemester biete ich lediglich eine Übung an:

Klassiker der Stadtforschung und Stadtplanung”

Beschreibung:
Städte waren seit jeher eine besondere Siedlungsform: Siesind durch Dichte und Heterogenität gekennzeichnet, in ihnen konzentrieren sichherausgehobenegesellschaftliche und politische Funktionen und sie sind Knotenpunkte einer Vielzahl von Netzwerken. Über diese und weitere Besonderheiten wurde seit dem 19. Jahrhundert breit reflektiert. Zunehmend spielte dabei die wissenschaftliche Analyse städtischer Gesellschaften eine Rolle, die explizit auch zur Durchsetzung planerischer Eingriffe herangezogen wurde. Stadtforschung und Stadtplanung waren miteinander verzahnt.
Aus der Vielzahl der Publikationen aus diesem Kontext ragen eine Reihe von Texten heraus, die zu „Klass
ikern“ geworden sind. Auf sie wurde und wird immer wieder Bezug genommen, wenn über Stadtgesellschaft und Stadtplanung diskutiert wird. Ob Friedrich Engels in seiner Schrift zur „Lage der arbeitenden Klasse in England“ von 1845, Ebenezer Howards Konzeption der Gartenstadt um 1900 oder Jane Jacobs Kritik an der modernen Stadtplanung in „The Death and Life of Great American Cities“ von 1961, immer wurden städtische Phänomene als besondere Form gesellschaftlicher Probleme aber auch als Potenzial thematisiert. In dieser Übung werden wir einige dieser „Klassiker“ gemeinsam lesen und diskutieren.

Anmeldungen für Studierende der TU Darmstadt sind ab dem 1.3.2015 über TUCaN möglich.