Lehre

 

Technische Universität Darmstadt

 

VL: “Nach dem Boom”. Die 1970er Jahre in der Zeitgeschichte, 2018

Die 1970er Jahre haben die Zeithistoriker Lutz Raphael und Anselm Doering-Manteuffel als Jahrzehnt „nach dem Boom“ bezeichnet. Im Gegensatz zu den 1960er Jahren, die durch das „Wirtschaftswunder“ und einen verbreiteten Zukunftsoptimismus geprägt waren, gelten die 1970er Jahre als Dekade der wirtschaftlichen Stagnation und des wachsenden Krisenbewusstseins. Die Ölpreiskrise, die sogenannte „Stagflation“ und eine wachsende Arbeitslosigkeit stehen für diese Interpretation, die zusammen mit der Bedrohung durch den Kalten Krieg und den Terrorismus im „Deutschen Herbst“ ein eher düsteres Bild der 1970er Jahre verfestigt. Dennoch waren die 1970er Jahre auch eine Dekade des Aufbruchs und in vielerlei Hinsicht die „Vorgeschichte der Gegenwart“. In der intellektuellen Debatte und in der Kultur setzte sich das Paradigma der „Postmoderne“ durch, die zahlreichen Protestbewegungen trugen zu einer Ausweitung politischer Partizipation bei und mit der Computerisierung setzte ein Trend ein, der die Wirtschafts- und Arbeitswelt nachhaltig verändert hat. In dieser Vorlesung werden die 1970er Jahre deshalb als Übergangsjahrzehnt porträtiert, in dem sich am Ende des Nachkriegsbooms neue gesellschaftliche, politische, ökonomische und kulturelle Muster herausbildeten.
Diese Vorlesung wird einen Überblick über die wichtigsten Forschungsfelder und Themenbereiche der historischen Auseinandersetzung mit den 1970er Jahren geben. Ein erster Schwerpunkt wird auf der Wirtschafts- und Sozialgeschichte liegen, ein zweiter auf der Politik und politischen Kultur einschließlich der Protestbewegungen und des links-alternativen Milieus. Schließlich wird die Kultur der 1970er Jahre, von intellektuellen Debatten bis zum Aufstieg der Populärkultur, behandelt.

 

Ü: Praxistheorie und Technikgeschichte, 2018

Fernsehen, Duschen und Autofahren sind alltägliche Routinen, die mit der Praxistheorie in den Blick kommen. Diese Routinen haben nicht nur eine Geschichte, sondern in diesen Geschichten spielen Technologien eine zentrale Rolle: Fernseher und Fernsehsender, Duschen und die Wasserversorgung, Autos und Straßensysteme haben sich in Wechselwirkung mit ihrer alltäglichen Nutzung entwickelt. So haben neue Technologien einen Einfluss auf alltägliche Routinen, aber diese Routinen beeinflussen zugleich, wie sich Technologien verbreiten oder wie sie angeeignet werden. Auf diese Zusammenhänge verweist die Praxistheorie, die seit einem guten Jahrzehnt intensiv debattiert und weiterentwickelt wird.
In dieser Übung werden wir anhand einschlägiger Aufsätze zunächst die Kernelemente und Grundannahmen der Praxistheorie kennenlernen. Im weiteren Verlauf werden wir uns damit befassen, welche Forschungsfragen mithilfe der Praxistheorie angegangen werden können und welches Potenzial die Praxistheorie für die Technikgeschichte hat.

 

VL: Technik- und Wissensgeschichte des „Anthropozäns“, 2017/2018

Das „Anthropozän“, das Erdzeitalter, das dadurch gekennzeichnet ist, dass Menschen die bio-physische Struktur der Erde irreversibel beeinflussen, ist längst nicht mehr nur eine Thema der Naturwissenschaften. Phänomene wie Klimawandel, Ressourcenverbrauch, landwirtschaftliche Monokulturen oder Bodendegeneration hängen eng mit der historischen Entwicklung von Gesellschaften zusammen – insbesondere mit der Entwicklung von Technologien und naturwissenschaftlichem Wissen. So ist der exponentielle Anstieg des CO2-Ausstoßes nur mit der Verbreitung der Dampfmaschine und des Verbrennungsmotors in Verbindung mit der Erkundung von Kohle- und Ölvorkommen zu erklären. Ähnliche Zusammenhänge lassen sich für die Landschaftsveränderung durch intensive Bodennutzung oder den Rückgang der Biodiversität durch Pflanzen- und Tierzucht finden.
Diese Vorlesung präsentiert eine geschichtswissenschaftliche Perspektive auf das „Anthropozän“. Sie fokussiert auf die Entstehung von Technologien, die die irreversible Veränderung der bio-physischen Struktur der Erde nach sich zogen, und sie fragt nach der Genese des Wissens über Natur und Ressourcen, das diesen Technologien und ihrer Verbreitung zugrunde lag. Die unter dem Schlagwort „Anthropozän“ zusammengefassten Phänomene hingen eng mit sozialen und ökonomischen Rahmenbedingungen, aber auch mit kulturellen Vorstellungen zusammen, wie sie sich etwa in Diskursen um „Knappheit“ oder in Leitbildern der „Modernisierung“ manifestierten. Die gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen auf den Technologie- und Wissensfeldern, die das „Anthropozän“ seit dem 18. Jht. geprägt haben, sind Gegenstand dieser Vorlesung – und natürlich wird auch noch einmal genau erklärt, was das „Anthropozän“ ist, und warum es für Historikerinnen und Historiker lohnt, sich damit auseinanderzusetzen.

 

Ü: Wissen über Rohstoffe in Quellen des 19. Jahrhunderts, 2017/2018

Zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert wandelte sich das „Naturwissen“ der europäischen Gesellschaften grundlegend. Das betraf insbesondere auch das Wissen, das über die Verbreitung und die Nutzungsmöglichkeiten von Rohstoffen existierte. Dabei war es keineswegs so, dass nutzbare Rohstoffe einfach „entdeckt“ wurden. Vielmehr wurde Materie überhaupt erst in Prozessen der gesellschaftlichen Konstruktion von „Naturwissen“ zu Rohstoffen. In diesen Prozessen spielten seit dem 18. Jahrhundert der ökonomische Blick auf Natur aber auch neue naturwissenschaftliche Praktiken eine immer wichtigere Rolle.
Dieser Wandel des „Naturwissens“ schlug sich in Quellen nieder, in denen Zeitgenossen über die Verfügbarkeit und die Verwendungsmöglichkeiten von Rohstoffen reflektiert haben. An ihnen lässt sich ablesen, wie der ökonomische Blick und die naturwissenschaftlichen Methoden zunehmend das Verständnis von Rohstoffen prägten. In dieser Übung wird der Schwerpunkt auf exemplarischen Quellen zur geologischen Erkundung und der Entwicklung der Eisenhüttentechnologie im deutschsprachigen Raum liegen. Da viele Quellen nur im Original vorliegen, richtet sich die Übung speziell auch an Studierende, die Interesse haben, sich in das Lesen handschriftlicher Quellen des 19. Jahrhunderts einzuarbeiten.

 

PS: Einführung in die moderne Technikgeschichte, 2017/2018

Im Sinne einer Einführung in die Auseinandersetzungen über technikhistorische Themen werden im Proseminar zentrale, klassische Texte zur Diskussion gestellt und mithilfe eines aktuellen Lehrbuchs in die wissenschaftliche Diskussion eingeordnet. Zusätzlich werden in den Hauptsitzungen und den Tutorien grundlegende Theorien, zentrale Themenbereiche, Begriffe, Quellen, Handbücher, Zeitschriften und Methoden der Technikgeschichte vorgestellt, bearbeitet und diskutiert.

 

OS (gemeinsam mit Dieter Schott), 2017/2018

 

 

Friedrich-Schiller-Universität Jena

 

VL: Perspektiven auf die Industrialisierung, 2017

Die europäische Industrialisierung des 19. Jahrhunderts ist meist als ein tiefgreifender ökonomischer, technologischer und sozialer Umbruch interpretiert worden. Aber auch in kultureller Hinsicht und was die Nutzung natürlicher Ressourcen angeht, markiert die Industrialisierung einen fundamentalen Wandel. In dieser Vorlesung werde ich einen Überblick über die verschiedenen Perspektiven geben, die die historische Forschung auf die Industrialisierung gerichtet hat. Dabei werde ich zum einen die unterschiedlichsten Ansätze und Schwerpunkte der geschichtswissenschaftlichen Debatte vorstellen. Zum anderen werde ich die europäische Industrialisierung in den Kontext längerer Kontinuitätslinien und in ihre globalen Bezüge einordnen.

 

HS: Holz – Kohle – Öl, 2017

Zwischen dem 18. und dem 20. Jahrhundert kam es gleich zweimal zu einem fundamentalen Wandel der gesellschaftlichen Energiebasis. War um 1800 Holz die dominante „Zentralressource“, wurde es im 19. Jahrhundert sukzessive durch Kohle als Energieträger ersetzt. Ausgangspunkt waren eine Debatte um die „Holznot“ am Ende des 18. Jahrhunderts und technologische Innovationen, die die Nutzbarkeit der Kohle verbesserten. Damit begann, zuerst in Großbritannien und dann auf dem Europäischen Kontinent, das „fossile Zeitalter“. An der Wende zum 20. Jahrhundert setzte abermals eine Transformation der gesellschaftlichen Energiebasis ein, als der Aufstieg von Öl zum bevorzugten Energieträger begann.
In diesem Seminar werden wir zentrale Aspekte dieser Transformationen analysieren. Wir werden die Begründungszusammenhänge untersuchen, in denen die zeitgenössischen Akteure den Übergang auf Kohle bzw. auf Öl setzten. Wir werden den sozioökonomischen Auswirkungen ebenso wie den geostrategischen Verschiebungen nachgehen, die mit diesen Transformationen verbunden waren. Und schließlich werden wir die ökologischen Folgen betrachten, die mit der Veränderung der gesellschaftlichen Energiebasis einhergingen.

 

Ü: „The History Manifesto“ und andere Stimmen zum aktuellen Stand der Geschichtswissenschaften, 2017

Das 2014 erschienene „History Manifesto“ hat eine neue Debatte um Ziele und Ausrichtung historischer Forschung entfacht. Das „Manifesto“, das von Historikerinnen und Historikern fordert, Geschichte in der Langzeitperspektive zu interpretieren, ist dabei durchaus kontrovers diskutiert worden. Daneben mehren sich aber auch andere Stimmen, die wieder nach dem Sinn und den Zielen der Geschichtswissenschaften fragen. Ob in Fachpublikationen oder in der Presse, das Bedürfnis nach einer Positionsbestimmung der Disziplin scheint zu wachsen. Nicht zuletzt die Besorgnis über die politischen Entwicklungen der letzten Jahre, die in den meisten Stellungnahmen deutlich mitschwingt, scheint die erneuerte Positionsbestimmung zu rechtfertigen.
In dieser Übung werden wir Teile des „History Manifesto“ und andere aktuelle Veröffentlichungen zum Stand der Geschichtswissenschaften lesen und gemeinsam diskutieren. Ziel ist nicht nur, das Theorieverständnis zu schärfen, sondern auch über die gesellschaftliche Rolle und die eigenen Ziele als Historikerinnen und Historiker zu reflektieren.

 

Ü: Klassiker der Stadtforschung und Stadtplanung, 2017

Städte waren seit jeher eine besondere Siedlungsform: Sie sind durch Dichte und Heterogenität gekennzeichnet, in ihnen konzentrieren sich herausgehobene gesellschaftliche und politische Funktionen und sie sind Knotenpunkte einer Vielzahl von Netzwerken. Über diese und weitere Besonderheiten wurde seit dem 19. Jahrhundert breit reflektiert. Zunehmend spielte dabei die wissenschaftliche Analyse städtischer Gesellschaften eine Rolle, die explizit auch zur Durchsetzung planerischer Eingriffe herangezogen wurde. Stadtforschung und Stadtplanung waren miteinander verzahnt.
Aus der Vielzahl der Publikationen aus diesem Kontext ragen eine Reihe von Texten heraus, die zu „Klassikern“ geworden sind. Auf sie wurde und wird immer wieder Bezug genommen, wenn über Stadtgesellschaft und Stadtplanung diskutiert wird. Ob Friedrich Engels in seiner Schrift zur „Lage der arbeitenden Klasse in England“ von 1845, Ebenezer Howards Konzeption der Gartenstadt um 1900 oder Jane Jacobs Kritik an der modernen Stadtplanung in „The Death and Life of Great American Cities“ von 1961, immer wurden städtische Phänomene als besondere Form gesellschaftlicher Probleme aber auch als Potenzial thematisiert. In dieser Übung werden wir einige dieser „Klassiker“ gemeinsam lesen und diskutieren.

 

OS (gemeinsam mit Gisela Mettele), 2017

 

 

Technische Universität Darmstadt

 

 

PS: Einführung in die Neuere Geschichte (4SWS), 2016/2017

 

Lehrforschungsprojekt: Zeugen der Industrialisierung: Hermann Weddings Reise durch Thüringen, Bayern, Saarbrücken, Lothringen, Rhein, Westphalen, 1858 (4SWS), 2016

Die 1850er Jahre gelten als das Schlüsseljahrzehnt der Industrialisierung in den deutschen Staaten. Der Eisenbahnbau, der Aufstieg des Maschinenbaus und die Montanindustrie prägten als Leitsektoren die rasante wirtschaftliche und technologische Entwicklung dieses Jahrzehnts. In dieser Zeit bereiste Hermann Wedding, der später Professor für Eisenhüttenkunde wurde, West- und Süddeutschland. Seine Eindrücke und Beobachtungen zu neu entstandenen Fabriken, technologischen Innovationen, aber auch zur Geologie hielt Wedding in einem Reisetagebuch fest. Dieses knapp 100seitige Tagebuch mit Weddings handschriftlichen Einträgen ist erhalten geblieben und befindet sich in der Eisenbibliothek, Schaffhausen.
Ziel des Lehrforschungsprojekt ist es, das Reisetagebuch, das Wedding 1858 führte, zu erschließen, zu transkribieren, den Kontext aufzuarbeiten und den Text schließlich als Edition zugänglich zu machen. Eine Veröffentlichung der Edition in Kooperation mit der Eisenbibliothek, Schaffhausen ist vorgesehen. Interesse an der Arbeit mit handschriftlichen Quellen des 19. Jahrhunderts und die Bereitschaft, sich in das Lesen von Quellen in Kurrentschrift einzuarbeiten, sind Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Lehrforschungsprojekt.

 

PS: Einführung in die Neuere Geschichte (4SWS), 2015/2016

 

Ü: Klassiker der Stadtforschung und Stadtplanung, 2015

Städte waren seit jeher eine besondere Siedlungsform: Siesind durch Dichte und Heterogenität gekennzeichnet, in ihnen konzentrieren sichherausgehobenegesellschaftliche und politische Funktionen und sie sind Knotenpunkte einer Vielzahl von Netzwerken. Über diese und weitere Besonderheiten wurde seit dem 19. Jahrhundert breit reflektiert. Zunehmend spielte dabei die wissenschaftliche Analyse städtischer Gesellschaften eine Rolle, die explizit auch zur Durchsetzung planerischer Eingriffe herangezogen wurde. Stadtforschung und Stadtplanung waren miteinander verzahnt.
Aus der Vielzahl der Publikationen aus diesem Kontext ragen eine Reihe von Texten heraus, die zu „Klassikern“ geworden sind. Auf sie wurde und wird immer wieder Bezug genommen, wenn über Stadtgesellschaft und Stadtplanung diskutiert wird. Ob Friedrich Engels in seiner Schrift zur „Lage der arbeitenden Klasse in England“ von 1845, Ebenezer Howards Konzeption der Gartenstadt um 1900 oder Jane Jacobs Kritik an der modernen Stadtplanung in „The Death and Life of Great American Cities“ von 1961, immer wurden städtische Phänomene als besondere Form gesellschaftlicher Probleme aber auch als Potenzial thematisiert. In dieser Übung werden wir einige dieser „Klassiker“ gemeinsam lesen und diskutieren.

 

S: Umweltgeschichte der Industrialisierung, 2014/2015

Schon in der Frühphase der Industrialisierung, um 1800, kam es zu vielfältigen Umweltkonflikten: über Verschmutzung und Belastung von Luft, Wasser und Böden, über den Verbrauch und Abbau von Rohstoffen und über deren Regulierung. Ein Schwerpunkt der frühen industriellen Entwicklung bildete sich im Siegerland, das in diesem Seminar exemplarisch untersucht werden soll. Dort verdichteten sich schon am Ende des 18. Jahrhunderts Betriebe des Bergbaus und der Eisenproduktion ebenso wie die Umweltkonflikte, die die Industrialisierung im 19. Jahrhundert prägten.
In diesem Seminar steht die Arbeit mit Primärquellen im Mittelpunkt. Wir untersuchen den Archivbestand des Fürstentums Siegen, den das Landesarchiv NRW in Münster komplett digitalisiert und online gestellt hat (http://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/jsp/findbuch.jsp?archivNr=1&id=0875&tektId=790). Wir werden lernen, einen Quellenkorpus systematisch zu erschließen, handschriftliche Dokumente zu entziffern und zu transkribieren und schließlich mit Blick auf umwelthistorische Fragen zu interpretieren. Interesse an der Arbeit mit Quellen des frühen 19. Jahrhunderts und die Bereitschaft, sich in das Lesen von Quellen in Kurrentschrift einzuarbeiten, sind Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar.

 

Ü: Materialität und Praktiken, 2014/2015

In den vergangenen Jahren hat das Interesse an Dingen, Artefakten und Stoffen in den Geschichtswissenschaften deutlich zugenommen. Standen bis dahin stets einzelne Menschen oder ganze Gesellschaften im Mittelpunkt historischer Analysen, wird zunehmend die Frage gestellt, wie nicht-menschliche „Akteure“ historische Entwicklung beeinflussen. Diese Forderung hat vor allem theoretische Debatten angestoßen. Inzwischen liegen eine ganze Reihe von Ansätzen vor, die auf die „Materialität“ von Dingen, Artefakten und Stoffen aber auch auf deren Wechselwirkung mit sozialen Praktiken abheben. In dieser Übung werden einschlägige theoretische Grundlagentexte gelesen und gemeinsam diskutiert. Darunter solche zum Konzept der materiellen Kultur, wie sie vor allem in der Ethnologie entwickelt wurde, solche aus dem Umfeld der Actor-Network Theorie und der Theorie sozialer Praktiken.

 

S: Die Gründung der USA, 2014

Die Unabhängigkeitserklärung (1776) und die Verfassung (1787) der USA gehören zu den wichtigsten Dokumenten auf dem Weg zu einer modernen demokratischen Staatsform. In ihnen vereinten sich philosophische Ideale der Aufklärung mit ganz pragmatischen Forderungen, wie diese Ideale in einem republikanischen Staatsaufbau umgesetzt werden sollten. Denn es ging auch um die Gründung eines Nationalstaates, der im ganz praktischen Sinne organisiert und verwaltet werden musste. Überlagert wurde diese Entwicklung durch die militärischen Auseinandersetzungen mit der britischen Kolonialmacht. Schließlich gehört zu der Gründungsgeschichte der USA auch die Tatsache, dass ganze soziale Gruppen von den neuen demokratischen Rechten ausgeschlossen blieben, namentlich Frauen und Afroamerikaner.
In diesem Seminar werden wir den zentralen Forschungsfragen zur Unabhängigkeit und Staatsbildung der USA von etwa 1760 bis 1800 nachgehen. Darüber hinaus werden wir die wichtigsten Quellen gemeinsam im Original lesen und analysieren. Voraussetzung für die Teilnahme an diesem Seminar ist die Bereitschaft, englische Texte zu lesen und in der Hausarbeit zu verwenden.

 

Ü: 20th Century New York, 2014

In 1983 hip-hop pioneer Grandmaster Flash rapped about his hometown: „New York New York, big city of dreams/ And everything in New York ain’t always what it seems/ You might get fooled if you come from out of town/ But I’m down by law and I know my way around“. Indeed, New York City appears to be the place that both epitomizes the US and stands out as distinct from the rest of the country. This tension is also characteristic of the city’s history throughout the 20th century. In such diverse fields as modern architecture and public housing, racial inequality and urban reform, the distribution of poverty and wealth the history of New York stands out as being at once typical of US-history and particular.
In this course we will read and analyze selected primary sources that shed light on the tension-filled history of 20th century New York. A particular emphasis will be on the issues of urban development and the so called „urban crisis“ of the 1970s and 1980s. We will deal with such diverse authors as urban planner Robert Moses and his critic Jane Jacobs, mayor Fiorello LaGuardia, and hip-hop pioneer Grandmaster Flash.
The working language of this course is English.

 

S: Großsiedlungen der 1960er und 1970er Jahre (gemeinsam mit Mario Tvrtkovic, FB Architektur), 2013

Mit den Großsiedlungen am Stadtrand ist in den1960er und 1970er Jahren ein neuer Typ von Wohnbebauung entstanden, der oft mit großmaßstäblicher Hochhausbebauung, und mit einem hohen Anteil staatlicher Fördergelder die europäische Stadtlandschaft veränderte. Heute werden diese Siedlungen meist als „soziale Brennpunkte“ wahrgenommen und ihre soziale und bauliche Erneuerung gefordert. Am Beispiel von Darmstadt-Kranichstein werden wir in diesem Seminar die historische Entwicklung einer Großsiedlung untersuchen und architektonische wie städtebauliche Merkmale herausarbeiten. Historisch bedingt und gleichzeitig für die aktuellen Debatten relevant sind etwa die Ausstattung mit sozialen Einrichtungen und die Verkehrsanbindung, die Anlage der Grünflächen und die Anordnung der Baukörper, aber auch der Zuschnitt und die Ausstattung der einzelnen Wohnungen. Im Mittelpunkt steht die Zusammenarbeit von Studierenden der Fächer Geschichte und Architektur mit dem Ziel, über die Fachgrenzen hinweg voneinander zu lernen und die Ergebnisse dieser gemeinsamen Arbeit zu veröffentlichen.

 

Ü: Landschaft, 2013

In dieser Übung werden wir uns dem Thema „Landschaft“ über die gemeinsame Lektüre zentraler theoretischer Texte nähern. Über die geschichtswissenschaftliche Literatur hinaus werden auch Ansätze der Geographie und der Kulturwissenschaften diskutiert. Vor dem Hintergrund der theoretischen Auseinandersetzung werden schließlich ausgewählte Quellen, insbesondere aus dem 19. Jahrhundert, analysiert.

 

PS: Einführung in die Neuere Geschichte (4SWS), 2012/2013

 

Ü: Neue Kulturgeschichte, 2011/2012

Kulturgeschichte ist en vogue. Historische Arbeiten, die diesen Zugriff ausdrücklich zu ihrem theoretischen Fundament machen, sind zahlreich und vor allem vielfältig geworden. Gemeinsam ist den zahllosen Ansätzen der „neuen Kulturgeschichte“ jedoch, dass sie sich nicht mehr nur mit „Kultur“ im engeren Sinne befassen, sondern ganz allgemein versuchen, historisches Denken und Handeln in deren kultureller Dimension zu entschlüsseln. Was sagen etwa literarische Darstellungen, Zeichnungen oder Baustile – und andere Texte und Bilder als kulturell „codierte“ Produkte – über das Selbstverständnis der jeweiligen Autoren, deren soziales Umfeld und über zentrale Grundannahmen einer Gesellschaft aus? Und wie haben diese Texte und Bilder wiederum gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst? Dies sind die Fragen, die die „neue Kulturgeschichte“ für eine Vielzahl von Themenbereichen, von Geschlechterverhältnissen über die Anwendung von Technik bis hin zur Repräsentation politischer Macht, gestellt hat.
In dieser Übung werden theoretische Grundlagentexte und ausgewählte Beispielstudien gelesen und gemeinsam diskutiert. Es soll auch geklärt werden, in wie weit die Ansätze der „neuen Kulturgeschichte“ möglicherweise für eigene Seminar- und Abschussarbeiten genutzt werden können.

 

Ü: Konflikte um Wasser – Ein Planspiel (gemeinsam mit Martin Zimmermann, FB Bauingenieurwesen), 2010

Die Nutzung von Flüssen wird durch unterschiedliche Interessen strukturiert. Dabei sind Flusseinzugsgebiete häufig auch durch politisch-administrative Grenzen zergliedert. In der Wasserwirtschaft hat man versucht, diese Problemlage mit dem Konzept des Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM) zu erfassen. Mit Hilfe des ingenieurwissenschaftlichen Ansatzes des IWRM wird das Ziel verfolgt, sowohl die Nutzungsansprüche als auch die politischen Zuständigkeiten zu integrieren.
Im Rahmen der Übung ist geplant, umweltpolitische Konflikte um Wasser in den 1970er/80er Jahren zu analysieren und den Ansatz des IWRM daran zu überprüfen. Nach einer allgemeinen Einführung sollen die Rollen der einzelnen Akteure an Hand von Quellen und Sekundärliteratur rekonstruiert sowie in einem historischen “Planspiel” gegenübergestellt werden.
Die Lernziele der Übung sind Einblicke in:
1. Die Grundlagen ingenieurwissenschaftlicher Modellbildung
2. Die Geschichte der Umweltbewegung und -politik
3. Den Umgang mit zeitgeschichtlichen Quellen
4. Kritik an Modellbildung

 

S: Stadtgeschichte der USA, 2009/2010

Die Geschichte US-Amerikanischer Städte unterscheidet sich in vielen Punkten von der der „europäischen Stadt“. Es ist dabei nicht nur das Alter der Städte, sondern auch eine andere Beziehung von Stadt und Umwelt, die Probleme einer ethnisch stark gemischten Einwanderergesellschaft oder der früh einsetzende Siegeszug des Automobils, die diesen Unterschied ausmachen. Die bis heute akuten Probleme von der Zersiedlung der Landschaft über die Regierbarkeit von Kommunen bis hin zur Diskriminierung der afro-amerikanischen Unterschichten haben die Fragen der historischen Forschung zutiefst geprägt. In der Auseinandersetzung mit diesen Phänomenen sind eine Vielzahl stadtgeschichtlicher Interpretationsansätze entstanden, von denen einige in diesem Seminar diskutiert werden. Die Bereitschaft, englische Texte zu lesen, ist zwingende Voraussetzung – gibt aber auch ein Gefühl dafür, wie Geschichtsschreibung in den USA gehandhabt wird.

 

Ü: Sozialgeschichte, 2009/2010

Die Sozialgeschichte war das Paradigma historischer Forschung in den 1960er und 1970er Jahren. In vielen Arbeiten dieser Zeit lässt sich recht genau ablesen, was Historikerinnen und Historiker von diesem Ansatz erwarteten. Sie versuchten Gesellschaft als soziale Konstruktion zu erfassen und lehnten sich dabei an die Methoden der quantitativen Sozialforschung an, indem sie etwa Wähleranalysen durchführten oder die soziale Zusammensetzung bestimmter Gruppen untersuchten. Damit grenzte man sich nicht zu Letzt gegen eine Geschichtsforschung ab, die das Handeln einzelner „großer Männer“ in den Mittelpunkt gestellt hatte.
In dieser historiographischen Übung werden einschlägige Texte der Sozialgeschichte diskutiert, dabei werden auch einzelne Studien als Beispiel besprochen. Obwohl sich der Ansatz bereits vor einem halben Jahrhundert in der Geschichtsforschung etablierte, soll in dieser Übung auch der Frage nachgegangen werden, inwieweit die Methoden der Sozialgeschichte noch immer aktuell sind – dies soll auch an Hand konkreter Beispiele diskutiert werden.

 

Projektseminar: „Grün in der Stadt“ (gemeinsam mit Martin Knoll), 2008/2009

Der urbane Raum ist reich an Grünflächen, Parks und Gärten – auch in Darmstadt. Der Herrngarten, die Lichtwiese, die Friedhöfe und die Grünzüge entlang von Woog und Darmbach stehen nur stellvertretend für eine Vielfalt von Schauplätzen, an denen Stadt und Natur zusammenkommen. Gleichzeitig ist Darmstadt eine „Stadt im Walde“: Die umgebenden Forste prägen das Bild und den Alltag in der Stadt entscheidend mit.
Die Art und Weise, wie Bewohner und Besucher Darmstadts das städtische Grün wahrnehmen und nutzen, lässt sich besser verstehen, wenn man dessen historische Entwicklung betrachtet. Denn das meiste, was heutigen Städtern als „natürlich“ erscheint, ist gleichwohl Resultat einer langen Geschichte des Zusammenspiels von Mensch und Natur. Grün in der Stadt und in Stadtnähe ist von Menschen gestaltet. Es wurde zu einem bestimmten Zweck angelegt und entwickelte sich entlang unterschiedlicher Vorstellungen und Bedürfnisse der städtischen Bevölkerung.
Stets waren die Gestaltung und Entwicklung urbanen Grüns Gegenstände politischer Entscheidungen, sowohl auf staatlicher als auch auf kommunaler Ebene. Nutzung, Gestaltung und Erhaltung der grünen Sphären der Stadt führten und führen immer wieder zu gesellschaftlichen Konflikten. Das heutige Gesicht von Natur in und um Darmstadt ist Produkt der demografischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung der Stadt.

 

Ü: Visuelle Quellen in der Geschichtswissenschaft (gemeinsam mit Sonja Neudörfer), 2008

In dieser Übung werden wir der Frage nachgehen, welche visuell erfassbaren Quellen sich jenseits von Texten finden lassen, wie sie interpretiert und bewertet werden können und wie sie zum wissenschaftlichen Arbeiten beitragen können. Insbesondere in der Geschichtswissenschaft ist in den vergangen Jahren die Idee eines visual turns diskutiert worden, in dessen Zuge die Bedeutung von Bildquellen neu ausgelotet wird. Ausgehend von der aktuellen theoretischen Debatte, wollen wir in dieser Übung Möglichkeiten, visuelle Quellen in die praktischen Arbeit von Historikerinnen und Historikern einzubinden, explorativ erarbeiten. Die Übung soll vermitteln, wie solche Quellen sinnvoll genutzt werden können, aber auch ein Gefühl dafür geben, wo die Grenzen und weiterweisenden Potentiale dieses Ansatzes liegen. Dies wird an Hand von Beispielen aus einem breiten Spektrum, von Fotos über Karikaturen und technischen Zeichnungen bis hin zu Architektur und Stadtbildern, geschehen.

 

Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

 

PS: Urbanisierung, 2006

Parallel zur Industrialisierung vollzog sich im 19. Jahrhundert ein rasantes Städtewachstum. Ausgehend von den frühindustriellen Zentren, Handels- und Residenzstädten erfasste die Urbanisierung bis zum Ersten Weltkrieg zunehmend auch kleine Städte und so genannte Industriedörfer. Bevölkerungszunahme und das Entstehen einer spezifisch urbanen Lebensweise veränderten dabei das städtische Selbstverständnis ebenso wie die kommunalen Aufgabenfelder. Die sozialgeschichtliche Forschung konzentriert sich dabei auf die offen zu Tage tretenden sozialen Probleme, die Ansätze einer kommunalen Daseinsvorsorge und den Ausbau der städtischen Infrastruktur. Aus der kulturgeschichtlichen Perspektive erscheint Urbanisierung dagegen als Phänomen der Verbürgerlichung. Die Gestaltung der Städte, ihre bauliche Inszenierung und funktionale Zuordnungen, folgten zunehmend bürgerlichen Leitbildern. Fragestellungen beider Perspektiven soll in diesem Proseminar nachgegangen und zu einem Gesamtbild der Urbanisierung zusammengefügt werden.

 

Ü: Vergleich – Transfer – Verflechtung, 2006

Kaum eine andere Methode wird zur Zeit in der Geschichtswissenschaft so ausgiebig diskutiert wie der sogenannte transnationale Ansatz. Was sich zunächst als eine Fortentwicklung des klassischen Vergleichs zwischen Ländern und Kulturen andeutete, entwickelte sich zur Erforschung von Transferprozessen, in denen eine Kultur eine andere beeinflusste. Als Forschungsgegenstände rückten kulturelle Konzepte und Leitbilder, die über Migrationsprozesse oder über transnationale Öffentlichkeiten vermittelt wurden, in den Mittelpunkt des Interesses. Verflechtung geht darüber hinaus auf Fragen der Adaption, der wechselseitigen Beeinflussung und des Entstehens eines gemeinsamen kulturellen Fundamentes mehrerer Gesellschaften ein. Aktuell wird in diesem Zusammenhang diskutiert, ob solche Untersuchungen transnational sein müssen, oder ob sie auch translokal sein können.

 

PS: Neue Soziale Bewegungen in der BRD, 2005/2006

Ökologie- und Friedensbewegung, Bürgerinitiativen, der Widerstand gegen Atomenergie und städtebauliche Maßnahmen waren nur einige der neuen sozialen Bewegungen, die das politische und gesellschaftliche Leben der Bundesrepublik in den 1970er und 1980er Jahre prägten. Ihre Aktionsfelder und Aktionsformen waren ebenso zahlreich wie verschieden. Gemeinsam war ihnen, dass sie Widerspruch zum Ausdruck brachten und für Themen sensibilisierten, die bis dahin wenig Beachtung gefunden hatten. Dieses Seminar thematisiert die historische Entwicklung der einzelnen Bewegungen und soll zugleich in das wissenschaftliche Arbeiten in einem Zeitabschnitt, der gerade erst von Historikerinnen und Historikern aufgearbeitet wird, einführen.

 

Ü: Mikrogeschichte, 2005/2006

Die Mikrogeschichte wendet sich kleinen Räumen und überschaubaren sozialen Netzwerken als Gegenstand historischer Forschung zu. Die Geschichte einzelner Dörfer, kleiner Personengruppen, aber auch Häuser wählten Historikerinnen und Historiker, um daran beispielhaft historische Phänomene zu untersuchen. Die Gefahr, bei dem gewählten Beispiel eine nicht repräsentative und damit – wie Kritiker meinen – nichts aussagende Geschichte aufzudecken, besteht, ist aber zugleich auch Anreiz, sich umso intensiver sowohl mit dem Einzelfall, als auch den größeren Zusammenhängen auseinanderzusetzen.
In dieser Übung werden die Erkenntnismöglichkeiten und die Grenzen mikrohistiorischer Forschung diskutiert, mikrogeschichtliche Arbeiten werden exemplarisch vorgestellt und der Versuch unternommen, die Ergebnisse für die eigene Arbeit nutzbar zu machen.