Forum Stadtgeschichte 2019

Forum Stadtgeschichte 2019: „G/lokalisierungen. Stadthistorische Forschung zwischen Globalgeschichte und Lokalstudien“

Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (GSU)
15.11.2019-16.11.2019, Darmstadt, TU Darmstadt, Institut für Geschichte,
Landwehrstr. 50a, 64293 Darmstadt

Die Globalgeschichte entwickelt sich derzeit äußerst dynamisch und prägt
zunehmend auch die stadtgeschichtliche Forschung, etwa indem sie die
Bedeutung transnationaler Diskurse hervorhebt oder die Aufmerksamkeit
auf Städte in bisher wenig untersuchten Weltregionen lenkt. Dennoch ist
die Stadtgeschichte nach wie vor ein Feld, das stark durch lokale
Fallstudien geprägt ist, die nicht zwingend eine globale Dimension
aufweisen. Lokalstudien sind weiterhin ein wichtiger Zugriff auf
stadthistorische Themen, um politische, soziale und kulturelle
Binnenprozesse aufzeigen zu können. Vor dem Hintergrund dieses latenten
Spannungsverhältnisses möchten wir im Rahmen des diesjährigen Forums
Stadtgeschichte diskutieren, welchen Mehrwert eine globale Perspektive
für die Stadtgeschichte haben kann, in welchen Fragen lokal begrenzte
Studien weiterhin relevante Erkenntnisse liefern und wie sich lokale und
globale Geschichte miteinander verbinden lassen.

Mit dem Forum Stadtgeschichte setzt die Gesellschaft für Stadtgeschichte
und Urbanisierungsforschung (GSU) die Tradition der Nachwuchstagungen
fort. Es soll Wissenschaftler/innen in der Qualifikationsphase die
Möglichkeit bieten, ihre Arbeiten vorzustellen und zu diskutieren.

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Freitag, 15.11.2019

13:00 Begrüßung und Einführung in das Programm
Dorothee Brantz / Sebastian Haumann

13:30 Globale Planung – lokale Erfahrung
Moderation: Sebastian Haumann

Laura Meneghello (Siegen): Stadtrohrpostnetze. Infrastrukturelle und
gesellschaftliche Interaktionen auf lokaler und globaler Ebene im
„langen 20. Jahrhundert“
Swenja Hoschek (Darmstadt): Über Großsiedlungen sprechen.
Vielstimmigkeit und Herstellung der Wahrnehmungen neuer Wohnorte
Kommentar: Gisela Mettele

15:00 Kaffeepause

15:30 Lokalität im (post-)kolonialen Kontext
Moderation: Dorothee Brantz

Daniela Hettstedt (Basel): Historische Stadt, globaler Ort. Tanger im
19. und 20. Jahrhundert
Benjamin Möckel (Köln/Oxford): Globale Nachbarschaften. Clifford
Manshardt, das Nagpada Neighborhood House und die Entstehung von Social
Work in Bombay
Kommentar: Rainer Liedtke

17:00 Impulsreferat und Textdiskussion

Samstag, 16.11.2019

9:00 Synchronisierte Welten
Moderation: Sylvia Necker

Jonas Albrecht (Linz): Surprising Similarities? Politics of Food
Provisions between ‚Moral‘ and ‚Market‘ Economies in Vienna, Paris, and
New York City, c. 1770s-1870s
Sabrina Kirschner (München): Entwicklungspolitische Lösungsansätze für
urbane Umweltprobleme im globalen Kontext. Luftverschmutzung in Mexiko
Stadt und Gewässerverschmutzung in São Paulo (1960 1980)
Kommentar: Dorothee Brantz

10:30 Kaffeepause

11:00 Repräsentationen des Translokalen
Moderation: Dieter Schott

Nina Szidat (Duisburg-Essen): Doing Europe. Ost- und westdeutsche
Städtepartnerschaften mit Großbritannien als Beitrag
zivilgesellschaftlicher Europäisierung?
Johanna Strunge (Göttingen): Stadtgeschichtliche Repräsentation(en) des
Globalen. Das Beispiel Hamburgs in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts
Kommentar: Sylvia Necker

12:30 Imbiss und Diskussion über zukünftige Themen der GSU

14:00 Ende der Konferenz

Workshop: „Anders Wohnen“

Im Rahmen des DFG-Projektes „Großsiedlungen in der Krise?“ findet in Koopertaion mit der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg am 16. und 17. Mai 2019 der Workshop „Anders Wohnen. Großsiedlungen und die Konstruktion von Differenz seit den 1970er Jahren“ statt.

Großsiedlungen sind „anders“. Sowohl ihre architektonischen und räumlichen Merkmale als auch ihr Image und ihre soziale Komposition scheinen sie deutlich von anderen Stadtteilen abzuheben. Vor allem aber ist diese Absonderung selbst ein definierendes Kennzeichen von Großsiedlungen. Schließlich sind es nicht so sehr die baulichen oder sozialstrukturellen Besonderheiten an sich, sondern vielmehr die Wahrnehmung von Differenz, die den gesellschaftlichen Umgang mit Großsiedlungen prägt.
Diese Prozesse der Differenzierung sind Gegenstand des Workshops, der danach fragt, wie Großsiedlungen als „anders“ konstruiert wurden. Dabei steht vor allem die problemorientierte Differenzierung, die spätestens seit den 1970er Jahren dominiert, im Mittelpunkt.

Die Beiträge des Workshops diskutieren mit einem Schwerpunkt auf Hamburg, wie die Konstruktion von Differenz mit architektonisch-räumlichen und sozialstrukturellen Besonderheiten korrespondiert. Zum einen werden Großsiedlungen im Kontext der Stadtentwicklung betrachtet. Zum anderen nehmen die Beiträge Mechanismen der Differenzierung wie Abgrenzungsprozesse und Vergleiche in den Blick, mit denen die Siedlungen zu anderen Stadtteilen ins Verhältnis gesetzt wurden. Die Konstruktion der Wahrnehmung von Großsiedlungen wird ebenso beleuchtet wie spezifische Diskurse zu Großsiedlungen, die das Sicherheitsempfinden oder Segregation betreffen. Dabei spielen auch Abgrenzungsmechanismen innerhalb der Bewohnerschaft der Großsiedlungen eine wichtige Rolle. Dies führt zu der Frage, wie unterschiedliche Akteursgruppen an der Konstruktion von Differenz beteiligt waren, welche Intentionen sie verfolgten und welche Erwartungen sie hatten, vor allem aber, ob sich deren jeweilige Perspektiven gegenseitig spiegelten oder unabhängig voneinander entwickelten. Ergänzt werden die Vorträge durch eine Gesprächsrunde mit Zeitzeugen.

 

Programm
Donnerstag, 16. Mai 2019

15:30 Uhr Kirsten Heinsohn (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg), Dieter Schott (Technische Universität Darmstadt): Begrüßung und Einführung

16:00 Uhr Großsiedlungen in der Stadtentwicklung
Dirk Schubert (HafenCity Universität Hamburg): Wandlungsprozesse von Großsiedlungen zu Großwohnanlagen. Städtebauliche Leitbilder und wohnungspolitische Rahmenbedingungen seit 1970 am Beispiel von Hamburg

Arndt Neumann (FernUniversität Hagen): Von Gründerzeitvierteln zu Großsiedlungen und wieder zurück. Hamburg 1956-2010
Kommentar: Christoph Strupp (Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg)

17:30 Uhr Pause

18:30 Uhr Öffentlicher Abendvortrag
Christiane Reinecke (Universität Leipzig): Faszinierend schlechte Viertel. Wie Großsiedlungen in Frankreich und Westdeutschland in Verruf gerieten

Freitag, 17. Mai 2019

9:30 Uhr Wahrnehmung, Sicherheitsempfinden und Segregation
Christine Krüger (Universität Gießen): Von Mümmelmannsberg nach Allermöhe. Sicherheits- und Unsicherheitskonstruktionen

Swenja Hoschek (Technische Universität Darmstadt): Ver(m)engte Welten. Soziale Differenzierung als Großsiedlungsnarrativ

Tim Verlaan (Universiteit van Amsterdam): Amsterdam Bijlmermeer: Dutch Media Outlets and the Construction of Failure (1962-1992)
Kommentar: Adelheid von Saldern (Leibniz Universität Hannover)

12:00 Uhr Pause

12:30 Uhr Zeitzeugengespräch: Perspektiven auf Hamburger Großsiedlungen seit ihrer Entstehung

14:00 Uhr Ende der Veranstaltung

Challenging Europe: Technology, environent and the quest for resource security (EURES)

Am 8.-9.11.2018 findet in Aarhus, organisiert von Mattias Heymann, das nächste Treffen der Tensions of Europe Research network “Challenging Europe: Technology, environment and the quest for resource security” (EURES) statt. Unter dem Titel „Perceptions and constructions of resources, resource crises and resource futures: looking at the Arctic and other spaces“ setzen wir die Serie von Workshops fort, die bereits seit 2016 in loser Folge stattfinden. Ich selber werde ein paar vorläufige Ideen für ein größeres Forschungsprojekt vorstellen (die Arktis wird aber zumindest in meinem Vortrag keine Rolle spielen…).

Mehr über das ToE reserach network

 

Vortrag „Kritische Rohstoffe“ am SFB „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ (30.5.2018)

Am kommenden Mittwoch, den 30.Mai 2018, werde ich einen Vortrag im Rahmen des Kolloquiums des SFB „Schwächediskurse und Ressourcenregime“ an der Goethe-Universität Frankfurt halten:

Vortrag
Sebastian Haumann: „Kritische Rohstoffe“. Diskursive und materielle Dimensionen der Ressourcennutzung im 19. und 20. Jahrhundert

30. Mai 2018
18:00 – 20:00 Uhr
IG454, Campus Westend, Frankfurt am Main

Kolloquiumsvortrag IZWT Wuppertal

Am kommenden Mittwoch, den 11.1.2017, werde ich auf Einladung von Heike Weber und Christian Zumbrägel einen Kolloquiumsvortrag am Interdisziplinären Zentrum für Wissenschafts- und Technikforschung der Uni Wuppertal halten. Ich werde einige konzeptionelle Aspekte aus meiner Habil zur Diskussion stellen und auch versuchen, einen lokalen Bezug herzustellen – immerhin war und ist der Westen von Wuppertal einer der wichtigsten Standorte der Kalkindustrie.

Stoffgeschichte aus praxeologischer Perspektive. Kalkstein als Industrierohstoff des 19. Jahrhunderts

Mittwoch, 11.01.2017

18 c.t. Uhr

Raum N.10.20 (Gebäude N, Ebene10, Raum 20)
Campus Grifflenberg, Gaußstr. 20, 42119 Wuppertal

zum Programm des Kolloquiums

Tagung: Cities and Societies in Transition? The 1970s in West Germany and Italy

Das Programm zur Tagung Tagung „Cities and Societies in Transition? The 1970s in West Germany and Italy / Città e società in transizione? Gli anni Settanta nella Germania occidentale e in Italia“ ist online. Die Tagung findet am 21./22.5.2015 am Deutschen Historischen Institut in Rom statt und ist eine Kooperation des Deutschen Historischen Institut in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (GSU) und der Associazione Italiana di Storia Urbana (AISU), mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Ich werde dort über die westdeutsche Rezeption italienischer urbaner Protestbewegungen um 1977 sprechen. In den 1970er Jahren hatte die italienische Linke eine erhebliche Ausstrahlungskraft. Sie erschien in ihren Forderungen (relativ) erfolgreich, hatte mit der ausgesprochen starken Kommunitischen Partei Italiens einen (vermeintlichen) Bündnispartner und entwickelte kreative Protestformen, wie z.B. die Aktionen der „Stadtinidianer“. All das faszinierte Aktivisten aus dem westdeutschen links-alternativen Milieu, die sich gerade 1977, dem Jahr des „Deutschen Herbstes“, in einer Reorientierungsphase befanden und deswegen die italienischen Vorbilder breit thematisierten.

Zum Tagungsprogramm

CfP: Die Un-Ordnung der Stadt

Der Call für die Nachwuchstagung der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung, die ich gemeinsam mit Rainer Liedtke (Regensburg) organisiere, ist draußen:

Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung
Nachwuchstagung: Die Un-Ordnung der Stadt im 19. und 20. Jahrhundert
Regensburg, 28./29.09.2015

Das Leben in Städten war und ist permanent Gegenstand von Ordnungsversuchen. Oft überlagerten sich Vorstellungen von der baulichen, sozialen und politischen Ordnung der Stadt, etwa in der Idee der Trennung von Funktionen oder in der räumlichen Differenzierung sozialer Gruppen, sei es mit dem Ziel der Segregation oder der Integration. Solche Bestrebungen wurden aber immer auch durch politische und sozioökonomische Umbrüche oder Katastrophen herausgefordert und von konkurrierenden Ordnungsmustern unterlaufen. Ordnung entstand in dialektischem Verhältnis zur Unordnung. Zerstörung, Regimewechsel und wirtschaftliche wie soziale Umwälzungen kennzeichnen die historischen Situationen, in denen Ordnung neu verhandelt wurde. Ordnung wurde mitunter in der Auseinandersetzung mit persistenten Formen der Unordnung gewonnen, die freilich auch als konkurrierende Ordnungsmuster zu begreifen sind, wie etwa in der langen Tradition planerischer Ziele zur Beseitigung von „slums“ deutlich wird. Das Scheitern von Ordnungsversuchen zeigt auch, dass sich am Ende die bestehende soziale, politische und bauliche „Unordnung“ der Umsetzung von Ordnungsvorstellungen widersetzen konnte.

Die Nachwuchskonferenz der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung befasst sich mit den Ambivalenzen von Ordnungsbemühungen und dem dialektischen Verhältnis von Ordnung und Unordnung vorrangig im 19. und 20. Jahrhundert. Thematisiert werden soll insbesondere:
– das Spannungsverhältnis zwischen der Wahrnehmung von politischen, sozioökonomischen und räumlichen Umbrüchen einerseits und Ordnungsbestrebungen andererseits (beispielsweise Eingemeindungen, rapides Bevölkerungswachstum, Naturkatastrophen, Seuchen)
– wie Konzepte von „Ordnung“ mit Vorstellungen von Unordnung verknüpft waren und sich in Abgrenzung zu „Unordnung“ entwickelten.
– konkurrierende Ordnungsvorstellungen verschiedener städtischer Akteure auf der sozialen, politischen und baulichen Ebene
– wie „Unordnung“ Ordnungsabsichten unterlief und zu deren Scheitern führte.

Der Call for Papers wendet sich vor allem an WissenschaftlerInnen, die an einschlägigen Dissertationsvorhaben oder postdoktoralen Projekten arbeiten. Die Konferenzsprache ist Deutsch. Vorschläge für Vorträge werden bis zum 20. April 2015 erbeten an Prof. Dr. Rainer Liedtke, Lehrstuhl für Europäische Geschichte, Universität Regensburg, rainer.liedtke(at)ur.de