Marie Skłodowska-Curie Fellow am Centre for Urban History in Antwerpen

Seit Anfang Mai 2021 bin ich offiziell als Marie Skłodowska-Curie Fellow am Centre for Urban History der Universiteit Antwerpen. In den kommen beiden Jahren werde ich nicht nur in, sondern auch über Antwerpen forschen. In meinem Projekt „Mapping Practices under Pressure. The Everyday Experience of Socio-Economic Change in Deindustrialising Cities, 1960-2000“ werde ich mich mit der Alltagsgeschichte der südlichen, industriell geprägten Stadtteile Antwerpens in den letzten 50 Jahren beschäftigen. Das Ziel sind jedoch in erster Linie methodische Innovationen zwischen den Digital Humanities und Citizen Science zu erproben.

Einen ersten Überblick über mein Forschungsvorhaben werde ich am Centre for Urban History am 14.6. geben. Im Rahmen der middagseminarie werde ich das Paper „Experiences of the past. How to reconstruct local histories of deindustrialization“ präsentieren, in dem ich einige theoretische und methodische Grundlagen des Projekts diskutiere.

Quellenessay: Arbeitslosenzeitungen als Quellen zur Geschichte der Deindustrialisierung

Heute habe ich den ersten Beitrag im neuen Blog-Projekt der Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung (GSU) gepostet:

Arbeitslosenzeitungen als Quellen zur Geschichte der Deindustrialisierung, in: Stadtgeschichten (8.3.2021), https://stadthist.hypotheses.org/209.

Die Geschichte der Deindustrialisierung, die viele westeuropäische Städte zwischen den 1970er und 1990er Jahren prägte, ist aktuell eines der wichtigsten Themen der zeithistorischen Forschung. Denn Deindustrialisierung bezeichnet einen breiten Strukturwandel, der nicht nur die Wirtschaft betraf, sondern die gesamte Gesellschaft erfasste und den Alltag vieler Menschen veränderte. Auch der Charakter von Städten und Nachbarschaften, ihre Sozialstruktur und ihr Selbstverständnis waren davon betroffen, wenn klassische Industriebetriebe verschwanden und Arbeitsplätze verloren gingen.

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Rezension zu Neumann: Unternehmen Hamburg

Letzte Woche ist meine Rezension zu Arndt Neumanns Dissertation „Unternehmen Hamburg“ auf sehepunkte.de erschienen. Die Rezension ist online verfügbar unter: http://www.sehepunkte.de/2019/11/32664.html

Sebastian Haumann: Rezension von: Arndt Neumann: Unternehmen Hamburg. Eine Geschichte der neoliberalen Stadt, Göttingen 2018, in: sehepunkte 19/11 (2019), http://www.sehepunkte.de/2019/11/32664.html.

Stadt multidisziplinär. Projekte und Perspektiven der Forschung

Am 30.11.2018 präsentieren sich aktuelle Forschungsprojekte zur Stadtforschung an der TU Darmstadt. Auch wir werden unser DFG-Projekt „Großsiedlungen in der Krise?“ in diesem Rahmen vorstellen. Orgqansisiert wird die Veranstaltung von der AG Interdisziplinäre Stadtforschung der TU Darmstadt gemeinsam mit der Schader Stiftung. Es ist der Auftakt für weitere Werkstattgespräche zu den einzelnen Projekten, die im Laufe der kommenden Semester stattfinden werden.

Stadt multidisziplinär. Projekte und Perspektiven der Forschung

Dienstag, 30. Oktober 2018, 18:30 Uhr

Schader-Stiftungszentrum, Goethestraße 2, 64285 Darmstadt

Zum Programm und zur Anmeldung

grosssiedlungen.org

Mit dem Start unseres neuen DFG-geförderten Forschungsprojekts „Großsiedlungen in der Krise? Modernekritik und Vergemeinschaftung in den 1970er Jahren“ haben wir einen neuen blog gestartet. Auf grosssiedlungen.org werden wir in Zukunft den Arbeitsfortschritt des Projekts dokumentieren und weiterführende Informationen rund um die Forschung zur Geschichte von Großsiedlungen zusammenstellen.

DFG-Projekt „Großsiedlungen in der Krise?“

Am 1.1.2018 ist unser neues DFG-Projekt „Großsiedlungen in der Krise? Modernekritik und Vergemeinschaftung in den 1970er Jahren“ gestartet. Das Projekt wird bis Ende 2020 laufen und umfasst eine Promotionsstelle.

Aus der Projektbeschreibung:
Der Wandel der Großsiedlungen von Laboratorien der Moderne zu sozialen Brennpunkten koinzidierte mit dem sozioökonomischen Strukturbruch und dem Wertewandel, die als charakteristische Merkmale der 1970er Jahre gelten. In dem Wandel, den die Großsiedlungen durchliefen, wirkte eine gesellschaftliche Umwertung von Wohnpräferenzen mit tiefgreifenden sozialstrukturellen Veränderungen zusammen. Die Ablehnung der Großsiedlungen, die aus einer zunehmenden Modernekritik resultierte, überlagerte sich mit neuen Phänomenen der Armut, Migration und neuen Familienstrukturen, die sich in Verschiebungen auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar machten. Zudem waren die Großsiedlungen von den ökonomischen Umbrüchen der 1970er Jahre besonders betroffen: die Kritik an den Siedlungen konnte auf unvollständige Infrastruktur und mangelnde Instandhaltung verweisen. Nichtsdestotrotz bildeten sich in den Großsiedlungen funktionsfähige lokale Gemeinschaften; auf diesen Sachverhalt hat die jüngere Forschung wiederholt hingewiesen. Allen widrigen Umständen zum Trotz, bauten Bewohnerinnen und Bewohner zivilgesellschaftliche Strukturen und ein Gemeinwesen auf, das bauliche, sozialstrukturelle und ökonomische Schwierigkeiten teilweise auffangen konnte und sich der gesellschaftlichen Abwertung entgegenstemmte.Die Untersuchung des Wandels, dem Großsiedlungen unterworfen waren, verspricht für die Erforschung und Interpretation der 1970er Jahre wichtige neue Erkenntnisse. Insbesondere das Spannungsverhältnis zwischen der negativen Außenwahrnehmung der Siedlungen einerseits und dem Entstehen von funktionsfähigen Formen der Vergemeinschaftung in den Siedlungen andererseits wirft Fragen auf. Die negative Bewertung, die durch die sozialstrukturelle Entwicklung verstärkt wurde, war Ausgangspunkt und Basis für neue Formen der Vergemeinschaftung, die sich in Reaktion auf diese Abwertung und die Massierung sozioökonomischer Problemlagen herausbildeten. Damit gibt die Untersuchung von Großsiedlungen Einblick in die Genese einer spezifischen Ausprägung posttraditionaler Vergemeinschaftung in den 1970er Jahren. Soziale Beziehungen, Gemeinschaft und zivilgesellschaftliche Strukturen entstanden im Umgang mit defizitärer Infrastruktur, überproportionaler Armutsgefährdung, einem wachsenden Anteil von Migranten sowie sogenannten Patchworkfamilien und schließlich in reflexiver Auseinandersetzung mit der negativen Außenwahrnehmung. Es ist zu fragen, inwieweit sich unter diesen besonderen Bedingungen Formen der Vergemeinschaftung herausbildeten, die für die Zeit nach dem Boom, ähnlich denen des schon besser untersuchten links-alternativen Milieus, als typisch gelten müssen. Gerade die Bewohnerinnen und Bewohner der Großsiedlungen waren den Folgen von Wertewandel und sozioökonomischen Strukturbruch besonders intensiv ausgesetzt, so dass zu erwarten ist, dass bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine neue und für die Zeit seit den 1970er Jahren typische Form der lokalen Soziabilität entstand.

Zur Projektseite bei der DFG

 

Digitalisate: Reisetagebücher Hermann Wedding (1856-1862)

Zum Abschluss des Jahres noch mal ein paar digitalisierte Quellen. Die drei umfangreichen Reisetagebücher des späteren Professor für Eisenhüttenkunde, Hermann Wedding (1834-1908), die jetzt digital zur Verfügung stehen, habe ich 2015 während meines Aufenthalts als Scholar in Residence in der Eisenbibliothek Schlatt „entdeckt“. Die Kolleginnen und Kollegen von der Eisenbibliothek haben sich freundlicherweise um die Digitalisierung der bisher weitgehend unerschlossenen Tagebücher gekümmert, so dass Sie nun für alle Interessierten zugänglich sind.

Die Reisetagebücher Hermann Weddings geben Einblick in die Hochphase der europäischen Industrialisierung. Sie zeigen nicht nur, wie die verschiedenen Wissensgebiete von der Geologie über das Montan- und Hüttenwesen bis zum Maschinenbau ineinandergriffen. Sie dokumentieren auch die europäische Dimension des technologischen und ökonomischen Umbruchs der 1850er Jahre.

Schlatt, Eisenbibliothek, Mss 23: H. [Hermann] Wedding, Über die Freiberger Hütten; Freiberger Hütten Proceße. Abschrift nach einem Hefte des H. Th. [Hieronymus Theodor] Richter; H. [Hermann] Wedding, Verschiedene Notizen, 1856/57 (http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/ebs/0023), 2017.

Schlatt, Eisenbibliothek, Mss 24: H. [Hermann] Wedding, Reise durch Thüringen, Bayern, Saarbrücken, Lothringen, Rhein, Westphalen, 1858 (http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/ebs/0024), 2017.

Schlatt, Eisenbibliothek, Mss 25: Hermann Wedding, Metallurgisches Reisetagebuch durch Deutschland, Belgien und England, 1860-1862 (http://www.e-codices.unifr.ch/de/list/one/ebs/0025), 2017.