Rom-Corviale

Als Nachtrag zu der Tagung “Cities and Societies in Transition? The 1970s in West Germany and Italy” die am 21./22.5.2015 am Deutschen Historischen Institut in Rom stattfand, hier einige Fotos von unserer Exkursion nach Corviale.

Corviale gilt als das größte Wohngebäude Europas und wurde zwischen 1975 und 1982 gebaut. Vor allem die Länge des Gebäudes (knapp 1 Kilometer) ist beeindruckend.
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Uffstiech!

Wenn man schon einmal bei einem historischen Ereignis dabei gewesen ist, darf man das auch auf einem blog, in dem es sonst eher um (Geschichts-)wissenschaftliches geht, ruhig auch mal dokumentieren. Das erste Bild zeigt die Situation im Stadion am Böllenfalltor kurz vor Anpfiff der Begegnung Darmstadt 98 – FC St. Pauli am 24.5.2015. Das zweite Foto zeigt die Situation kurz nach Abpfiff der Partie.

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Für mich war es ein historischer Moment, nicht etwa weil ich seit Jahrzehnten eingefleischter „Lilien“-Fan bin, oder weil der SV Darmstadt 98 (vermeintlich) für vieles steht, was im Profifussball selten geworden ist, sondern weil der Aufstieg in die 1. Bundesliga zeigt, dass Dinge möglich sind, die vorher niemand für möglich gehalten hat. Wissenschaftlich formuliert: der „Uffstiech“ beweist, dass historische Kontingenz relevant ist.

Rheinisch-Westfälische Kalkwerke, Abteilung Gruiten, Bruch IIIa

Der Bruch IIIa im November 2014, Foto: Haumann

Der Bruch IIIa im November 2014, Foto: Haumann

Der Bruch IIIa der Gruitener Abteilung der Rheinisch-Westfälischen Kalkwerke muss in den ersten Betriebsjahren kurz nach 1900 ein extrem gefährlicher Arbeitsplatz gewesen sein. Die Berichte über Arbeiter, die hier Unfälle erlitten, sind zahlreich, so etwa im Kreisblatt für den Kreis Mettmann vom 22.5.1906: Am Samstag stürzte in Bruch III […] der Arbeiter Z. aus Vohwinkel 22 Meter tief ab und erhielt vielfache äußerliche Verletzungen, glücklicherweise keine lebensgefährliche“. Für viele endeten solche Unfälle aber auch tödlich. Es waren die hohen Abbauwände, die als Ursache ausgemacht wurden, denn die gesetzlichen Abbauregeln wurden vermeintlich befolgt. Der zuständige Gewerbeinspektor Fröhlich berichtete dem Landrat des Kreises Mettmann im November 1904:

„Der Bruch 3a der Bergischen Dolomit- und Weisskalkwerke in Ehlenbeck wird in einer Strosse von ungefähr 20m Höhe betrieben. Da das Gestein massig und unzerklüftet ist, so steht diese Abbaumethode weder in Widerspruch zu den Bestimmungen des § 6d der Polizeiverordnung vom 20. Nov. 1895 über die Anlage und den Betrieb von Steinbrüchen und Gräbereien, noch dem § 6 der Unfall-Verhütungs-Vorschriften der Steinbruchsberufsgenossenschaft. Die Betriebsverwaltung ist auch nach Kräften durch eine scharfe Aufsicht, sowie durch reichliche Anbringung von Notseilen bemüht gewesen, den Abbau des Gesteins möglichst unfallsicher zu gestalten. Bezüglich der letzten beiden tödlichen Unfälle kann auch weder der Betriebsverwaltung noch den Aufsehern der Vorwurf strafbarer Unterlassungen gemacht werden. Trotzdem muß ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der großen Abbau-Höhe und der großen Zahl der tötlichen Unfälle (8) in diesem Bruch angenommen werden.“(LANRW(R), BR 0034, 270).

Der Bruch IIIa gehörte vermutlich zu denjenigen Kalksteinbrüchen, die bereits während der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre wieder geschlossen wurden. Besichtigt man den Bruch heute, lässt sich trotzdem immer noch ein wenig von den dramatischen Ereignissen kurz nach 1900 erahnen.